Kunst am grünen Hang, Planung  | 2016

Kunst am grünen Hang, Planung | 2016

 

LETZTER STAND: SCHWEBEND…, von Steinen und Mauern auf dem Dilsberg

Mehrteilige Installation im Landschaftsraum Kommandantenhaus Dilsberg

Installation 2015/ 16,  je ca. 400 x 350 x 500 cm, Stahl, Beton, Kunststoffgewebe, Pigment

 

Einführung, Vernissage 10. April, 2016

Julia Philippi

„Dem Projekt Kunst am grünen Hang – Landschaftsraum Kommandantenhaus Dilsberg liegt der konzeptionelle Gedanke zugrunde, den architekturhistorisch bedeutenden und regionaltouristisch frequentierten Ort als Kulisse zu nutzen, um ein zeitgenössisches Verständnis von Kunst im öffentlichen Landschaftsraum als eine sensibel gestalterische Reaktion auf Landschaftssituationen und unterschiedliche Lagen zu demonstrieren“, wie es im Ausschreibungstext formuliert ist.

Ein weiteres, wesentliches Merkmal ist die zeitliche Begrenztheit der Präsentation. Damit will der Rhein-Neckar-Kreis die Region zwar mit einem skulptural gestalteten, öffentlich zugänglichen Areal bereichern, aber nicht mit dem Skulpturenpark Heidelberg oder der Meile in Mannheim konkurrieren.

Kunst am Grünen Hang, eingebettet in die Ausstellungsreihe Atelier und Künstler, startet mit der Künstlerin Ulrike Thiele aus Mosbach, die 2012 bei Atelier und Künstler 8 in Hirschberg teilgenommen hat, die nun die nächsten 10 Monate diesen Hang <Blick aus Fenster> mit ihrer 7-teiligen Installation bespielen wird.

Ausgangspunkt ihrer Überlegungen für eine plastische Arbeit unterhalb der Burgmauer waren zwei Vorgaben. Die 1. Vorgabe hat sich die Künstlerin selbst auferlegt: Kunst zu schaffen, die sich mit diesem Ort nicht nur formal, sondern auch inhaltlich verbindet; die 2. Wurde mit der Ausschreibung kommuniziert, dass die Kunst nur für eine gewisse Zeit zur Präsentation kommt und nur minimal in das Gelände eingreifen darf.

An der wechselvollen Geschichte der Feste Dilsberg fand Ulrike Thiele bemerkenswert, dass diese Burg trotz mehrfacher Belagerung nicht kriegsbedingt zerstört wurde, sondern Anfang des 19. Jahrhunderts zum Abbruch freigegeben wurde und den Bewohnern als Baumaterialquelle diente.

Sie fragte sich, wohin das abgetragene, steinerne Erbe verbaut wurde? Und ob sich diese Spuren des ehemals feudalen Bauwerkes in Form besonderer Steine an den bürgerlichen Häusern im Ort noch finden lassen? Fotografisch hielt sie die vermeintlich entdeckten Mauerreste fest. Ordnete diesen Spuren Straßennamen zu und überlegte, wie sie diese Burgsteine wieder in die Nähe des Ursprungortes zurückversetzen kann? Und dies für einen begrenzten Zeitraum!

Sie entschied sich für Materialien, die leicht und witterungsbeständig, aber auch ressourcenschonend, dem Kreislaufprinzip folgend, weiterverwendet werden können. So erarbeitete sich Ulrike Thiele eine Konstruktion aus Baugerüststangen in verschiedenen Längen, in die Bahnen aus winddurchlässigem, wetterfesten Stoff eingespannt wurden. Auf diese Stoffbahnen wurden im Schwarz-Weiß-Druck die fotografierten Mauerreste übertragen. So erfahren die Mauersegmente nicht nur eine Umwandlung vom Drei- ins Zweidimensionale, sondern auch vom Eindruck des kompakt und standfesten zum leicht und transportablen Materials.

Einzelne abgebildete Steine sind mit einer speziellen Nachleuchtfarbe eingefärbt, um sie besonders hervorzuheben. Durch das Tageslicht lädt sich diese Farbe auf und bei Anbruch der Dunkelheit lösen sich die nun leuchtenden Steine aus den Mauerstrukturen und scheinen durch ihre Leuchtkraft über den Hang zu schweben. Dieses Bild gibt der Installation den Titel: Letzter Stand schwebend…/Von Steinen und Mauern auf dem Dilsberg. Und da folgt sie ganz dem Ansatz von Carl Andre, ein Vertreters des sogenannten Minimalismus, für den plastisch arbeiten bedeutet, „Raum zu ergreifen und zu halten“.

Dies ist eine der zentralen Aufgaben und Funktionen der Plastik in unserer Zeit. Ein weiteres Zitat unterstreicht Ulrike Thieles Kunstwerk hier auf dem Dilsberg. Der Bildhauer Alberto Giacometti sagte: „Ich glaube nicht an das Problem des Raumes, der Raum wird erst durch die Objekte geschaffen; ein Gegenstand, der sich ohne jegliche Beziehung zu einem anderen Gegenstand bewegt, könnte das Gefühl des Raumes nicht vermitteln.“

Als abstrakte Größe ist der Raum nämlich nicht erfahrbar. „Es bedarf des Beschreibungs- und Bestimmungsvermögens plastischer Gebilde, um den Raum als ästhetisch strukturierten Ort zu konkretisieren“.

Die Künstlerin gibt die klassisch blockhafte Form auf. Sie substituiert diese durch neue Konstruktionen, die zu Raumzeichen transzendieren. Ulrike Thiele versteht ihre plastischen Objekte immer als Zeichnungen im Raum, die uns auf eine Vielzahl denkbarer Räume aufmerksam machen und sich folgerichtig ergeben, sobald ein Standortwechsel vollzogen wird.

Mit ihren Gerüstkonstrukten umschreibt sie formal den Landschaftsraum an diesem Hang und führt uns inhaltlich die Idee einer ehemals intakten Burganlage durch die zurückversetzten Steine vor Augen.

Dafür hat Ulrike Thiele dieses Bild einer „fiktiven Baustelle“ gefunden, mit dem sie der Plastik eine Sprachfähigkeit gibt und den Dialog zwischen Architektur und Plastik befördert, der sich mit Martin Heideggers Definition vom Plastischen deckt. Ihm zufolge ist Plastik nicht primär Form, sie manifestiert vielmehr „die Verkörperung von Orten, die eine Gegend öffnend und sie verwehrend, ein Freies um sich versammelt halten, das den jeweiligen Dingen Verweilen gewährt und ein Wohnen dem Menschen inmitten der Dinge.“

Dies ist Ulrike Thiele mit dieser Installation an diesem, unserem Ort gelungen. <Applaus>

Im Übrigen: Dass ihr das gelingen konnte, dafür möchte ich im Namen der Künstlerin besonders dem Ingenieurbüro Kist & Theilig, den Firmen Kretz Maler-Gipser-Gerüst e.K. und INDYarts GbR aus Mosbach für Ihre Unterstützung danken.

(Julia Philippi, Dossenheim)

 

 

Das engagierte Zusammenwirken Vieler ermöglichte diese” Kunst am grünen Hang”.  

Für die große Unterstützung möchte ich allen am Projekt Beteiligten danken: der Jury  und meiner Kuratorin Julia Philippi.  Dem Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis, Amt für Schulen, Kultur und Sport mit Gisela Hoffmann & Team, Doro Burkhardt/ Fotografie, Andreas Hillenbrand und Helfern/ Technik. Herrn Dr. Joachim Stemmle / Baurechtsbehörde und Herrn Hucklekempkes vom  Regierungspräsidium Karlsruhe (Denkmalschutzbehörde).

Besonderer Dank gilt dem Ingenieurbüro Kist & Theilig, den Firmen Kretz- Maler-Gipser-Gerüst e. K. und D. Bieler- INDYarts GbR, alle Mosbach, für die technische Beratung und Förderung dieses Kunstprojektes.

Ulrike Thiele